Kolberg (polnisch Kołobrzeg) ist nach unserem Eindruck die beliebteste polnische Ostseestadt bei deutschen Campern. Unsere Geheimtipps in Kürze: Der Wellenbrecher am Hafen kostet nichts, der Aussichtsturm des Doms kostete bei unserem Besuch 10 Złoty statt 15 Złoty für den Leuchtturm, und den Sonnenuntergang vom Leuchtturm siehst du nur im August und ab etwa dem 22. September. Dazu kommen eine Altstadt mit Schinkel-Rathaus aus Backstein und Parkregeln, die Wohnmobile auf zwei städtischen Parkplätzen ausschließen. Kolberg war eine Station unserer Polen-Reise für den Lehmann Vlogs Reiseführer. Hier findest du, was wir dort gesehen und an den Quellen nachgeprüft haben.
Anreise und erster Eindruck von Kolberg

Von Stettin sind es laut Routenplaner rund 130 Kilometer bis Kolberg, von Berlin rund 275 Kilometer. Der Weg führt über die Schnellstraße S6. Für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen nennt das polnische Infrastrukturministerium Mautabschnitte nur auf den Autobahnen A1, A2 und A4, die S6 gehört nicht dazu.
Schwerer als 3,5 Tonnen? Dann ist auf den S6-Abschnitten rund um Kolberg e-TOLL fällig, sie stehen in der amtlichen Liste der mautpflichtigen Abschnitte. Wie die Registrierung funktioniert, steht in unserem Artikel zu Maut und Gesetzen in Polen.
Kolberg ist eine richtige Stadt und größer als Mielno. Es gibt einen eigenen Bahnhof, und an der Einfahrt des Campingplatzes rollte bei uns ein Wohnmobil nach dem anderen herein.
Unser erster Eindruck war gemischt. Am Stadtrand sahen wir viel Graffiti und alte Wohnblöcke. Je näher wir der Altstadt und dem Meer kamen, desto schöner wurde Kolberg, an der Promenade ist alles sauber und modern.
Als Lehmann Vlogs haben wir Polen drei Monate in Vollzeit bereist und über 300 Stellplätze und Orte persönlich getestet. Für uns gehört Kolberg auf eine Tour an der polnischen Ostsee.
Unsere Geheimtipps für Kolberg

Die ersten Treffer bei Google nennen für Kolberg vor allem Leuchtturm, Seebrücke und Dom. Diese sieben Tipps würden wir dir mitgeben. Drei davon haben wir selbst ausprobiert, vier stammen aus Tafeln, Preislisten und Öffnungszeiten vor Ort.
- •Wellenbrecher statt Seebrücke: Der Weg über den Wellenbrecher am Hafen kostet nichts, und wir hatten dort draußen das Gefühl, weiter im Meer zu stehen, als die Seebrücke reicht.
- •Ticketzeiten der Seebrücke kennen: Die Ticketpflicht gilt 2026 laut Betreiber von 10 bis 22 Uhr und nur bis zum 30. September. Ob die Seebrücke außerhalb dieser Zeiten offen ist, haben wir nicht geprüft.
- •Dom-Turm statt nur Leuchtturm: Der Aussichtsturm des Doms kostete bei unserem Besuch 10 Złoty, der Leuchtturm kostet 15 Złoty. Sonntags war der Turm laut Tafel geschlossen.
- •Sonnenuntergang vom Leuchtturm geht nicht immer: Im Juni und Juli schließt der Turm um 21 Uhr, die Sonne geht bis Ende Juli erst danach unter. Im August passt es, im September erst ab etwa dem 22.
- •Möwen suchen: In der Stadt stehen Bronzemöwen, ähnlich wie die Zwerge in Breslau. Eine sitzt mit Skateboard direkt an der Seebrücke.
- •Zu Fuß oder per E-Scooter: Vom Campingplatz bis zur Promenade waren wir eine gute halbe Stunde zu Fuß unterwegs. In der Stadt stehen E-Scooter, die du per App entsperrst.
- •Kurtaxe-Beleg aufheben: Wer in Kolberg Kurtaxe bezahlt hat und den Beleg zeigt, zahlt laut Preisliste 2026 für die Seebrücke nur 2 Złoty.
Mehr zu Dom, Seebrücke, Wellenbrecher, Leuchtturm und Möwen steht weiter unten.
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Rathaus und Altstadt von Kolberg

Das Rathaus ist der beste Startpunkt für einen Rundgang. Den neugotischen Entwurf lieferte 1826 Karl Friedrich Schinkel, gebaut wurde es von 1829 bis 1832.
Einer der Baumeister war laut städtischer Denkmaldatenbank Ernst Friedrich Zwirner, der ab 1833 Dombaumeister in Köln war. Mit seinen Türmchen und der C-Form sieht das Rathaus aus wie eine kleine Festung.
Heute sitzen dort Stadtrat und Stadtverwaltung. Dazu kommen eine Galerie für zeitgenössische Kunst, das Museum Patria Colbergiensis und die Touristinformation.
Rund um das Rathaus beginnen Restaurants, Läden und die schöneren Häuserfronten der Altstadt. Von hier sind es nur ein paar Schritte zum Dom, Richtung Norden geht es zur Promenade.
Kolberger Dom mit Aussichtsturm

Der Kolberger Dom (Marienbasilika) ist eine gotische Backsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert. Im Krieg 1945 wurde sie schwer zerstört und danach wieder aufgebaut.
Innen steht ein siebenarmiger Bronzeleuchter von 1327, rund vier Meter hoch. Laut polnischer Wikipedia ist er einer von nur fünf erhaltenen gotischen Leuchtern dieser Art weltweit.
Aussichtsturm (Taras widokowy), laut Tafel bei unserem Besuch:
- •Montag bis Donnerstag 10 bis 16 Uhr, Freitag 10 bis 13 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr
- •Sonntag geschlossen, Pause täglich von 13 bis 14 Uhr
- •Eintritt 10 Złoty, ermäßigt 8 Złoty
Die Tafel trägt kein Jahr. Plane deshalb mit etwas Puffer und schau am Eingang nach, bevor du den Rundgang darauf aufbaust.
Promenade und Seebrücke Kolberg

Die Promenade zwischen Leuchtturm und Seebrücke ist der lebendigste Teil von Kolberg. Auf dem Weg dorthin reihen sich Souvenirläden, Cafés, Eis- und Waffelstände aneinander.
Die Seebrücke ist laut dem städtischen Sportbetrieb MOSiR 220 Meter lang und wurde 1971 eröffnet. Für den Zutritt gilt die Preisliste 2026:
| Ticket | Preis |
|---|---|
| Normal | 9 Złoty |
| Ermäßigt (Kinder, Schüler, Studenten, über 60) | 5 Złoty |
| Mit Kurtaxe-Beleg | 2 Złoty |
| Familie (2 + 1) | 21 Złoty |
Die Ticketpflicht gilt 2026 laut Betreiber vom letzten Freitag im April bis zum 30. September, jeweils von 10 bis 22 Uhr. Bei unserem Besuch hing an der Kasse noch eine Tafel mit 9 bis 21 Uhr, die Zeiten haben sich also geändert.
Wir haben für die Seebrücke nicht bezahlt und sind stattdessen auf den Wellenbrecher gegangen. Wer die Seebrücke ohne Ticket sehen will, plant nach den Zeiten des Betreibers, wir selbst haben das nicht ausprobiert.
Kaffee an der Promenade: Im Bulwar Cafe nahe dem Leuchtturm kosteten Kaffeespezialitäten rund 5 Euro, eine Waffel rund 3 Euro und ein Eisbecher rund 8 Euro. Für Polen fanden wir das teuer, die Plätze direkt an der Promenade sind dafür schön.

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Wellenbrecher: die kostenlose Seebrücken-Alternative

Folgst du der Promenade weiter Richtung Hafen, kommst du zum östlichen Wellenbrecher. Er führt vom Hafen aus ins Meer, und du zahlst keinen Cent.
Am Ende hast du Wellen links und rechts und den Blick zurück auf Leuchtturm, Riesenrad und Promenade. Uns kam es so vor, als stünden wir dort weiter draußen, als die Seebrücke reicht.
Bei Wind schlagen die Wellen gegen die Steinblöcke. Festes Schuhwerk hilft, und bei Sturm schaust du besser von Land aus zu.
Leuchtturm Kolberg: Eintritt, Öffnungszeiten und Aussicht


Der Leuchtturm steht direkt an der Promenade auf dem alten Fort am Hafen. Laut Betreiber ist er 26 Meter hoch, sein Licht ist rund 16 Seemeilen weit zu sehen, also knapp 30 Kilometer.
Ein erstes Leuchtfeuer brannte hier laut Betreiber schon 1666. Den Vorgängerturm sprengten laut polnischer Wikipedia deutsche Truppen im März 1945, der heutige Turm entstand kurz nach dem Krieg.
Eintritt laut Betreiber und Preistafel:
- •Normal 15 Złoty, ermäßigt 10 Złoty
- •Familien 2 + 2 für 45 Złoty, 2 + 3 für 50 Złoty
Öffnungszeiten laut Betreiber: im Juni 10 bis 21 Uhr (ab 26. Juni schon ab 9 Uhr), im Juli und August 9 bis 21 Uhr, im September 10 bis 19 Uhr, im Oktober 10 bis 18 Uhr, von November bis Januar 10 bis 16 Uhr. Tickets gibt es bis 30 Minuten vor Schluss.
Sonnenuntergang von oben: Im Juni und Juli geht die Sonne in Kolberg erst nach 21 Uhr unter, dann ist der Turm schon zu. Im August klappt es, im September etwa ab dem 22., im Oktober etwa ab Mitte des Monats.
Die Treppe ist schmal, oben hätte sich sogar Lara fast den Kopf gestoßen. Die Aussicht über Stadt, Strand und Bucht war für uns das, was man in Kolberg gemacht haben muss.
Vermählungsdenkmal und Möwen-Figuren


An der Promenade steht das Denkmal der Vermählung Polens mit dem Meer. Es erinnert an den 18. März 1945: Am späten Nachmittag warf der Gefreite Franciszek Niewidziajło vom Ostpier des Hafens einen Ehering ins Meer, so beschreibt es das Kolberger Waffenmuseum.
Eingeweiht wurde das Denkmal 1963. Durch den Durchgang zu gehen steht für den Schritt in eine neue Zeit nach dem Krieg, an der Seite erinnern Soldaten mit Helmen an die Kriegsopfer.
Möwen in der ganzen Stadt: Wie die Zwerge in Breslau hat Kolberg seine Bronzemöwen, verteilt über die Stadt. Direkt an der Seebrücke sitzt eine mit Basecap und Skateboard. Für Familien mit Kindern ist das eine nette Attraktion.
Sandstrand Kolberg

Der Hauptstrand liegt direkt unterhalb der Promenade, breit und mit feinem Sand. An unserem Tag war es windig und kühler, deshalb war wenig los.
Draußen in der Brandung haben wir Surfer gesehen. Damit hatten wir an der polnischen Ostsee nicht gerechnet.
Nebenstrand: Ist der Hauptstrand im Hochsommer voll, gehst du über die Brücke am Hafen auf die andere Seite. Dort liegt der Oststrand, der ruhiger sein soll. Wir selbst waren dort nicht.
Kolberg parken mit dem Wohnmobil
Kolberg hat eine bezahlte Parkzone mit den Zonen A, B und C. Laut städtischer Verkehrsgesellschaft (Komunikacja Miejska) zahlst du dort das ganze Jahr von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr. Ein Teil der Zone A kostet nur von Juni bis August.
Samstags, sonntags und an Feiertagen ist das Parken in der Zone kostenlos.
| Zone | 1. Stunde | 2 Stunden |
|---|---|---|
| A und C | 6,40 Złoty | 13,90 Złoty |
| B | 5,00 Złoty | 11,00 Złoty |
Wichtig für Wohnmobile: Auf den bezahlten Parkplätzen Amfiteatr und Okopowa verbietet die Parkordnung ausdrücklich Wohnmobile („pojazdów kempingowych (kamperów)“), dazu alle Fahrzeuge über 2,5 Tonnen und Anhänger.
Der Parkplatz an der Kasprowicza-Straße ist laut Parkordnung für Pkw, Kleinbusse bis 3,5 Tonnen und Busse gedacht. Wohnmobile nennt sie nicht, lies dort also das Schild, bevor du dich hinstellst.
Kostenlos stehen geht auch: In unserer Reisekarte haben wir viele kostenlose Wohnmobilstellplätze markiert.
Kostenlose Stellplätze in unserer Reisekarte
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Übernachten in Kolberg mit dem Wohnmobil

Wir haben uns Camping Baltic angesehen und dort für eine Nacht bezahlt.
Camping Baltic bei unserem Besuch:
- •126 Złoty für eine Nacht, umgerechnet rund 30 Euro
- •viele Mitarbeiter, die einweisen, sehr freundlich
- •Parzellen mit Hecken, du schaust dem Nachbarn nicht ins Fenster
- •auf dem Platz sahen wir fast nur deutsche Kennzeichen
Für Polen war das vermutlich der teuerste Campingplatz unserer Reise bis dahin. Im Vergleich zu Dänemark fanden wir den Preis trotzdem in Ordnung.
Mit Starlink auf dem Dach fragst du am besten gleich nach einem Platz ohne Bäume, das hat bei uns sofort geklappt. Alles zu Sanitär, Fahrradverleih und Preisen steht in unserem Camping-Baltic-Check.
Kosten für deinen Kolberg-Aufenthalt
Die Eintritte stammen aus den Preislisten der Betreiber oder von den Tafeln, die wir fotografiert haben. Den Campingplatz haben wir selbst bezahlt, die Café-Preise vor Ort gesehen.
| Posten | Preis |
|---|---|
| Camping Baltic, eine Nacht | 126 Złoty (rund 30 Euro) |
| Seebrücke | 9 Złoty, ermäßigt 5 Złoty |
| Wellenbrecher | kostenlos |
| Leuchtturm | 15 Złoty, ermäßigt 10 Złoty |
| Dom-Turm (Tafel bei unserem Besuch) | 10 Złoty, ermäßigt 8 Złoty |
| Parkzone A, erste Stunde | 6,40 Złoty (Mo bis Fr) |
| Eisbecher im Bulwar Cafe | rund 8 Euro |
Bezahlt wird in Złoty. Die Preistafeln an Seebrücke, Leuchtturm und Dom-Turm, die wir fotografiert haben, nennen Złoty, und auch auf dem Campingplatz haben wir in Złoty bezahlt.
Kolberg im Überblick: Vor- und Nachteile
Kolberg ist städtischer als Mielno. Das hat Vor- und Nachteile.
Vorteile:
- •ein eigener Bahnhof, dazu viele Restaurants und Cafés
- •Rathaus und Dom stehen nebeneinander, Leuchtturm und Promenade liegen zusammen am Meer
- •auch bei schlechtem Wetter genug zu tun, etwa im Waffenmuseum (Muzeum Oręża Polskiego, von uns nicht besucht)
- •auf dem Weg zur Promenade standen viele Schilder zuerst auf Deutsch, dann auf Polnisch
Nachteile:
- •Plattenbauten und Graffiti prägen den ersten Eindruck am Stadtrand
- •die Getränkepreise an der Promenade fanden wir für Polen hoch
Unser Fazit: Kolberg hat uns am Stadtrand erst nicht gefallen, Richtung Altstadt und Meer dann umso mehr.
Wer von Westen kommt, verbindet Kolberg gut mit dem Stettiner Haff und Wolin oder Swinemünde. Weiter östlich warten die Wanderdünen von Łeba. Noch mehr Praxiswissen für die Route findest du in unseren Polen-Wohnmobil-Tipps.
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Im Video nehmen wir dich mit durch Kolberg: Campingplatz, Rathaus, Promenade, Seebrücke, Leuchtturm, Wellenbrecher und Strand.
Schau dir das Video an, bevor du nach Kolberg fährst. Die Plätze, an denen wir in Polen übernachtet haben, findest du mit Fotos in der Reisekarte unseres Lehmann Vlogs Polen-Reiseführers.


