Spanien oder Portugal mit dem Wohnmobil? Diese Frage hört bei uns nie auf. Als Lehmann Vlogs waren wir am Stück rund fünf Monate mit dem Camper unterwegs, davon zwei Monate in Portugal und drei Monate in Spanien, beides in Vollzeit und beides als direkter Vergleich. In diesem Beitrag stellen wir beide Länder ehrlich gegenüber: Kosten, Diesel, Maut, Stellplätze, Freistehen, Wetter und wo es sich zum Überwintern lohnt. Unsere persönlich getesteten Spots findest du im Lehmann Vlogs Spanien-Reiseführer.
Spanien oder Portugal mit dem Wohnmobil: die kurze Antwort
Wenn du uns zwingst, uns zu entscheiden: Wir haben am Ende Spanien einen Tick lieber. Der Hauptgrund ist nichts, was in einer Tabelle steht, sondern die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen, und dass wir selbst etwas Spanisch sprechen. Portugal ist trotzdem ein Traumland, in einigen Punkten sogar besser als Spanien.
Ehrlicher ist aber diese Antwort: Entscheide dich nicht, mach beides. Beide Länder liegen direkt nebeneinander, und die stärkste Reise verbindet die spanische Mittelmeerküste, den überwinterungsfreundlichen Süden und die portugiesische Atlantikküste zu einer Runde.
Die grobe Faustregel aus unseren fünf Monaten:
- •Du willst baden, Städte-Kultur und maximale Ausgehkultur → Spanien
- •Du liebst raue Natur, Klippenwege, Surfen und Ruhe → Portugal
- •Du willst günstig überwintern mit Ausweich-Option bei Unwetter → Südspanien
- •Du willst beides erleben → die Kombi, und genau dafür ist unser Reiseführer gebaut
Kosten & Diesel: Wo ist es günstiger?
Beide Länder sind für Camper bezahlbar, und in beiden lässt sich mit Selbstversorgung und kostenlosen Stellplätzen viel sparen. Beim Sprit gibt es aber einen klaren, für viele überraschenden Unterschied.
Diesel ist in Portugal teurer als in Spanien, obwohl man es oft andersherum erwartet. Anfang September 2026 lag Diesel in Spanien bei rund 1,87 €/L, in Portugal bei rund 2,03 bis 2,10 €/L (Preise schwanken, prüfe vor der Fahrt eine aktuelle Spritpreis-App). Portugal liegt damit rund 15 bis 20 Cent pro Liter höher, das macht auf einer langen Reise einen echten Unterschied.
So tankst du in beiden Ländern günstig:
- •Spanien: günstige Ketten wie Plenergy (früher Plenoil), Alcampo, Carrefour oder Eroski, oft deutlich unter dem Marken-Tankstellen-Preis.
- •Portugal: am günstigsten meist an den Tankstellen der Supermarktkette Intermarché.
- •Immer voll über die Grenze: Da Portugal beim Diesel teurer ist, lohnt es sich, in Spanien mit vollem Tank nach Portugal zu fahren.
Zum Vergleich, Diesel in Deutschland liegt aktuell bei rund 2,20 €/L. Beide Länder sind also günstiger als daheim, Spanien deutlich, Portugal ein wenig.
Bei Lebensmitteln, Restaurants und Stellplätzen nehmen sich beide Länder wenig. Wein ist in Spanien besonders günstig (Hauswein oft ab rund 2 € pro Glas), in Portugal zahlst du in Städten eher mehr, dafür ist der Espresso mit 60 bis 80 Cent fast geschenkt.
Alle geprüften Stellplätze für Spanien
Von der Mittelmeerküste bis in den überwinterungsfreundlichen Süden: Im Lehmann Vlogs Spanien-Reiseführer findest du unsere persönlich getesteten Orte aus mehreren Monaten Vollzeit-Reise, mit interaktiver Google-Maps-Karte online und offline.

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Maut: Spanien ist überraschend entspannt, Portugal tückisch
Hier räumen wir mit einem hartnäckigen Irrtum auf. Viele denken, in Spanien sei fast jede Autobahn mautpflichtig. Das stimmt so nicht mehr.
Spanien: Ein Großteil der früheren Maut-Autobahnen ist inzwischen kostenlos. Die wichtige AP-7 entlang der Mittelmeerküste (von der französischen Grenze bis Alicante) ist mautfrei, seit die staatlichen Konzessionen 2020 und 2021 ausgelaufen sind. Laut spanischem Verkehrsministerium ist nur noch ein kleiner Teil des staatlichen Schnellstraßennetzes überhaupt mautpflichtig (rund 12 Prozent, etwa 1.435 von gut 12.000 Kilometern). Ein Hinweis für den Süden: Der AP-7-Abschnitt zwischen Málaga und Guadiaro bleibt gebührenpflichtig. Und wo Maut anfällt, fährst du über die parallele, gut ausgebaute Nationalstraße drumherum, je nach Strecke und Verkehr meist ohne großen Umweg. Praktisch: Schilder zeigen oft an, ob dein Wohnmobil in enge Ortsdurchfahrten darf.
Portugal: Deutlich komplizierter. Es gibt zwei Systeme, klassische Maut mit Schranke und elektronische Maut-Abschnitte, bei denen dein Kennzeichen erfasst wird. Für diese elektronischen Strecken brauchst du ein gültiges Zahlungsmittel, das an dein Kennzeichen gekoppelt ist, etwa das System EasyToll (Kreditkarte ans Kennzeichen an bestimmten Grenzübergängen), eine kennzeichenbezogene Tollcard oder einen kompatiblen Transponder. Das Schild steht oft nur an der Auffahrt, wer ohne gültiges Zahlungsmittel fährt und die Maut nicht nachträglich begleicht, riskiert eine Strafe. Wer Maut umfahren will, wird von der Navigation teils über enge, kurvige Straßen geschickt, ohne Hinweis, ob das Wohnmobil dort durchpasst.
Kläre dein Maut-Zahlungsmittel für Portugal, bevor du einreist, und prüfe die Regeln auf der offiziellen portugiesischen Maut-Seite. Das erspart dir Bußgeld-Post Wochen nach der Reise.
Stellplätze & Freistehen: Wo stehst du besser?

In beiden Ländern haben wir fast durchgehend gut und oft kostenlos gestanden, aber die Systeme unterscheiden sich.
Spanien hat aus unserer Sicht das dichteste Netz: sehr viele kostenlose Freisteh-Möglichkeiten UND gute, günstige bezahlte Stellplätze. Das Schlafen im Fahrzeug (spanisch pernoctar) ist grundsätzlich erlaubt, das Campen mit Stühlen, Tisch oder Markise draußen (acampar) dagegen meist nicht. Wichtig: Die spanische Verkehrsbehörde DGT hat einheitliche Kriterien festgelegt, wann ein abgestelltes Wohnmobil als Parken und nicht als Campen gilt. Vereinfacht gilt es als Parken, solange nur die Reifen den Boden berühren, nichts über den Fahrzeugumriss hinausragt und keine Flüssigkeiten nach außen treten. Beachte aber, dass einzelne Regionen und Kommunen strengere Regeln oder eigene Parkverbote haben können.
Portugal hat weniger klassische bezahlte Stellplätze, dafür ein starkes Netz an kostenlosen, staatlich angelegten Áreas mit Ver- und Entsorgung und teils Strom, quasi Premium-Ausstattung gratis. An der Küste ist reines Freistehen dagegen zunehmend eingeschränkt, besonders an der Algarve, wo Schutzzonen entlang des Wassers gelten und kontrolliert wird. Wer die Áreas und offizielle Plätze nutzt, hat kein Problem.
Konkrete Spots verraten wir hier bewusst nicht, denn die genauen Koordinaten unserer getesteten Stellplätze stecken in der interaktiven Karte des Spanien-Reiseführers.
Wetter & Überwintern: der wichtigste Unterschied
Wenn du zum Überwintern fährst, ist das für viele der entscheidende Punkt, und hier hat Spanien einen handfesten Vorteil.
Die andalusische Küste, etwa rund um Málaga oder Almería, ist eines der besten Überwinterungsziele auf dem europäischen Festland. Dort liegen die Tageshöchstwerte im Januar im Schnitt bei rund 16 bis 17 Grad. Das gilt aber für die Küste: Im Landesinneren, etwa in Granada, wird es tagsüber deutlich kühler und nachts frostig. Der Trumpf Spaniens ist die Größe des Landes, du hast mehr Regionen und Ausweich-Optionen als im schmalen Portugal, auch wenn es im Winter im Norden und Landesinneren kalt wird.
Portugals Algarve ist im Winter ähnlich mild wie die andalusische Küste, Faro liegt im Januar tagsüber ebenfalls bei rund 16 Grad. Der Unterschied liegt im Atlantik: kalter, kräftiger Wind, oft ist es "T-Shirt-Wetter in der Sonne und trotzdem kühl". Und weil Portugal schmal ist, gibt es kaum eine großräumige Ausweich-Option, wenn ein Sturmtief die Küste erreicht.
An der spanischen Mittelmeerküste besteht besonders im Herbst ein erhöhtes Risiko für heftige Regenfälle und Sturzfluten, teils im Zusammenhang mit einer DANA-Wetterlage. Wer in dieser Zeit an der Küste steht, sollte Wetterwarnungen ernst nehmen und tiefliegende Plätze meiden.


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Natur, Städte & Essen: die Charakter-Frage
Jenseits der harten Zahlen fühlen sich beide Länder unterschiedlich an. Hier gewinnt mal das eine, mal das andere.
Natur und Aktiv: Punkt für Portugal. Die zerklüftete Atlantikküste mit ihren Klippen-Wanderwegen, dem Fischerman's Trail und der rauen Brandung ist ein Paradies für Naturliebhaber, Wanderer und Surfer. Das Meer ist wild und kalt, kein klassischer Badeurlaub, dafür spektakulär.
Baden: Punkt für Spanien. An der spanischen Südküste ist das Meer wärmer und ruhiger, ideal zum Schwimmen und Schnorcheln.
Städte und Kultur: Punkt für Spanien. Spanien fühlt sich streckenweise wie eine Studienreise an: unzählige historische Altstädte, römisches Erbe, beeindruckende Kathedralen. Portugal hat mit Porto und Lissabon ebenfalls tolle Städte, aber weniger dicht, und die Wege dazwischen sind länger.
Ausgehen und Kaffee: Spaniens Ausgehkultur ist riesig, überall volle Cafés und Bars, zu fast jeder Uhrzeit. In Portugal ist der Espresso spottbillig und gut, aber die Städte liegen weiter auseinander. Beim Kaffee-Erlebnis mit Hip-Cafés und mehr Auswahl liegt Spanien vorn, dafür ist Portugal für den schnellen, günstigen Espresso unschlagbar.
Spanien oder Portugal mit dem Wohnmobil: Vergleich auf einen Blick

Alle Kategorien aus fünf Monaten Vollzeit-Reise kompakt gegenübergestellt:
| Kategorie | Spanien | Portugal |
|---|---|---|
| Diesel | günstiger (rund 1,87 €/L) | teurer (rund 2,05 €/L) |
| Maut | überwiegend mautfrei, AP-7 gratis, leicht umfahrbar | zwei Systeme, elektronische Maut mit Registrierung |
| Freistehen | sehr entspannt, dichtes Netz | Küste eingeschränkt, dafür gratis Áreas |
| Bezahlte Stellplätze | viele, günstig | weniger, dafür staatliche Áreas gratis |
| Baden | wärmeres, ruhigeres Meer (Süden) | rau, kalt, für Surfer |
| Natur & Wandern | gut | herausragend (Klippenwege, Fisherman's Trail) |
| Städte & Kultur | herausragend (viele Altstädte) | gut (Porto, Lissabon) |
| Ausgehen | sehr groß, jederzeit | kleiner, günstiger Espresso |
| Überwintern | Küste mild (~16-17°C), mehr Ausweich-Optionen | Algarve ähnlich mild, aber windig, kein Ausweichen |
Kurz gesagt: Spanien ist der Allrounder mit dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis fürs Überwintern, Portugal der Natur- und Ruhe-Spezialist.
Fazit: unsere Empfehlung
Nach fünf Monaten in beiden Ländern ist unser Fazit klar: Es gibt keinen Verlierer. Beide Länder sind fantastische Wohnmobil-Ziele, und welches besser passt, hängt von deinem Reisetyp ab.
Willst du günstig überwintern, viel baden, Städte erleben und abends unterwegs sein, ist Spanien die etwas komfortablere Wahl. Suchst du raue Natur, Klippenwege, Surf-Strände und Ruhe, wirst du Portugal lieben.
Unser echter Rat bleibt aber: Kombiniere beide. Fahr die spanische Mittelmeerküste hinunter, überwintere im Süden und häng die portugiesische Atlantikküste an. Genau diese Kombi-Route, mit allen von uns getesteten Stellplätzen, Etappen und der besten Reisezeit pro Region, haben wir in unseren Reiseführer gepackt.
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Wohnmobil-Urlaub: Spanien oder Portugal? Alle Vor- und Nachteile
Wir haben beide Länder am Stück bereist und ziehen im Video ein ehrliches Fazit, Kategorie für Kategorie, aus fünf Monaten Vollzeit-Vanlife.
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